Macht Bodybuilding impotent?

Thema:

Neulich scherzte ich mit einer Bekannten und fragte sie, ob sie nicht wisse, dass Bodybuilding impotent mache. Nach ein paar Tagen kam sie zu mir und fragte, ob es denn wirklich so wäre?

Wenn es nicht lustig wäre, wäre es schon wieder traurig. Die Frage zeigt, mit wie vielen Unsicherheiten dem Bodybuilding begegnet wird, in welche Richtung es auch geht. Unter Umständen könnte Bodybuilding sogar helfen, einzelne Formen der Impotenz zu lindern. Tatsache ist, dass das Training die Leistungsfähigkeit und die Funktionen des gesamten Körpers bei Männern und Frauen verbessert. Zum Beispiel kann es zu einem stabileren Blutdruck, zu verbesserten Kreislaufwerten oder auch zu mehr Selbstbewusstsein und Spaß verhelfen. Das ein oder andere Mal ist es nicht mehr peinlich sein, seinen Körper zu zeigen. (Wobei das bei einer halbwegs normalen Figur niemanden peinlich sein sollte). Das alles wirkt sich auf die Einstellung zum Leben und die Qualität unseres Daseins aus. Somit natürlich auch auf die Sexualität, die aus vielen Motiven heraus erlebenswert ist.

Ein Student sagte einmal zu seiner Lehrerin, die sich vor dem Gedanken muskelbepackter Athleten ekelte: „Sie müssen sich mal vorstellen, was Bodyuilder alles mit Ihnen machen können“. Meiner Meinung nach sollte die Sexualität, geschweige denn die Potenz, das bleiben, was sie ist: Ein wunderbarer Teil eines fascettenreichen Lebens. Wer die Potenz zum wichtigsten Element seines Lebens macht, gerät leicht in die Gefahr, in Abhängigkeit zu geraten. Etwas, das besonders schön sein kann, wird dann zwanghaft. Traurigerweise überträgt sich in solchen Fällen der leistungsorientierte Geist unserer Gesellschaft auf den Intimbereich, was beide Partner, also auch die Frau, spüren. Die Ursachen des Problems, Erektionen nicht zu erzielen oder nur kurz halten zu können, sind sehr vielfältig. So können zum Beispiel mikrobische Lecks in den Schwellkörpern Ursache sein. Niemand sollte zögern, deswegen einen Arzt aufsuchen, der eventuell helfen kann. Wer sich über derartige Probleme lustig macht, ist eigentlich selbst arm dran. Übergewicht, Minderwertigkeitsgefühle, Streß und ähnliche Mitverursacher können natürlich nicht medikamentös behandelt werden. Hier ist es sinnvoll, die eigene Lebenseinstellung/ Lebensweise nachzudenken und sie mit oder ohne professionelle Hilfe zu verändern. Okay, warum „Riesenmuskeln und Impotenz“? Das verallgemeinernde Phänomen „Da habe ich doch mal was gehört“ kommt auch hier zum Tragen. Verwenden Hochleistungssportler Hormone, um ihre Leistungsfähigkeit nach oben zu dopen, müssen sie auch mit vielfältigen Nebenwirkungen rechnen. Unter anderem auch mit Impotenz. Ein erklärender Ansatz dazu ist folgender: Durch die zusätzliche Gabe von Testosteron, dem männlichen Geschlechtshormon, steigt zunächst nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch die Lust auf Sexualität. Nach einer Weile reduziert der Körper die eigene Hormonproduktion, weil er sie nicht mehr für nötig hält. Bei langfristigem Mißbrauch von Hormonen kann es so zur Impotenz bis hin zur Hodenschrumpfung kommen. Nebenwirkungen können, müssen aber nicht auftreten. Wer jetzt noch von jedem Bodybuilder, anabolikafrei oder nicht, behauptet, er wäre impotent, muß sich selbst die Frage stellen, ob er nicht auch unter Durchblutungsstörungen leidet, was ja bei Engstirnigkeit durchaus eine Überlegung wert ist.

Micha.

(c) mk

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