Ist Muskel aufpumpen gefährlich?

Frage:

Mein Freund geht seit ca. einem halben Jahr ins Fitness-Center. Er hat dort Anschluss an eine Clique gefunden. Nun erzählt er, dass sie dabei sind, ihre Muskeln “aufzupumpen”. Manchmal, wenn er vom Training kommt, wirken die Arme tatsächlich größer und die Adern sind dicker. Nun mache ich mir sorgen, dass es ihm schadet und die Adern platzen, wenn er übertreibt. Sind dir Gefahren bekannt?

Trainertipp:

Im Bodybuilding wird dann vom “Aufpumpen” gesprochen, wenn es gelingt, eine bestimmte Muskelgruppe mit Blut zu füllen und die Muskelpartie damit dicker und größer wirken zu lassen. Nicht selten treten dabei auch Adern hervor, weil durch sie hindurch mehr Blut fließt. Häufig ergibt sich ein echter Aufpumpeffekt allerdings erst nach reichlicher Trainingserfahrung und unterscheidet sich dieser noch einmal erheblich von einer vermehrten Durchblutung. Die belasteten Muskelbereiche sind eine zeitlang bis zu 20x mehr durchblutet als normal. Es gibt unterschiedliche Körpertypen. Bei manchen Athletinnen und Athleten ist der Unterschied nach dem Aufpumpen kaum zu erkennen, bei anderen ist er enorm. Fest steht, dass fast alle Wettkampfbodybuilder/innen vor ihrem Auftritt in eine Aufwärmphase gehen. Diese erhöhte Aktivität der Muskulatur ist aber nicht nur für die Optik interessant. Sie erwärmt den belasteten Bereich und schützt ihn besser vor einer “Kälteverletzung”. Neben dem körperlichen Effekt bringt das Aufpumpen auch einen geistigen Effekt mit sich. Die Nerven sind konzentriert und der Strom gibt dem Athleten/ der Athleten das großartige Gefühl, viel massiger und stabiler zu sein als noch wenige Sätze zuvor. Entscheidend für das Auftreten des Effektes ist eine konzentrierte Bearbeitung des Muskelbereiches. Wer zu viele Muskeln einsetzt, um möglichst viel Gewicht auch mit der Gefahr des Abfälschens und Verletzungen zu stemmen, der wird zwar ein bisschen was spüren, aber damit nicht in die “High Class der Pumper” aufsteigen können. Entscheidend für die Stärke des Effektes ist auch die Art des Trainings, die Anzahl von Sätzen und Wiederholungen. Darauf gehe ich später noch einmal in einer meiner Publikationen ein. Das Gefühl, “aufgepumpt” zu sein, kann so intensiv sein und sich mit den Emfindungen der durch das Training freigesetzten Glückshormone vermischen. Dieser natürliche “Cocktail” ist berauschend und bereichert den sportlichen Horizont um eine großartige Erfahrng, die man kaum mehr missen möchte. Der mental-körperliche “Rausch” kann für echte “Pumper” so großartig sein, dass man von diesem Zustand süchtig wird. Man kann es kaum erwarten, die Muskeln neu zu belasten und erneut aufzupumpen. Es gibt sogar – lach – “Toilettenpumper”, die jede Gelegenheit nutzen, um mit ein paar Wiederholungen größer zu wirken. Das hat dann aber etwas mit einem geschwächten Selbstbewusstsein zu tun, dass man anderweitig angehen sollte. Der clevere und disziplinierte Athlet weiß aber, dass trainierte Muskelbereiche Erholung benötigen, um tatsächlich zu wachsen. Der Lohn für ein vernünftiges Vorgehen sind Zustände, die schon Arnold Schwarzenegger mit höchsten Extasen verglichen hat. Seine immer wieder zitierten Aussagen bezogen sich zwar eher auf den Prozess der Milchsäurebildung und dem Training im Schmerzgrenzbereich, aber ich bin mir sicher, auch er wollte dem Zustand aufgepumpter Muskeln nie missen.

Bei gesunden Sportlerinnen ist mir ein negativer Nachteil des Aufpumpens im gesundheitlichen Sinne nicht bekannt. Es mag sein, dass der Muskel an seine Grenzen gelangt und er schließlich in der Kontraktion versagt. Aber das regt eher das Wachstum und Anpassungsreaktionen an. Der Körper entzieht hier das Blut den Regionen, in denen es gerade weniger benötigt wird. Übrigens mit ein Grund, warum ich empfehle, bei einer Muskelgruppe zu bleiben und nicht ständig hin- und herzuspringen. Das Blut kann dann die Aufgaben lösen, Sauerstoff, Abfallstoffe und Aufbau/Nährstoffe in die benötigten Regionen zu transportieren.

Wenn es tatsächlich gelingt, einen “Pump” zu erzielen, liegt im Wesentlichen kein Blutstau, sondern eine Mehrdurchblutung vor. Krampfadern z.B. verhindern den Blutstrom und gefährden damit die Gesundheit. Mit Blut durchströmte Adern zeugen von Ausdauer und Kraft und einem fortgeschrittenem Fitnesslevel. Der Körper arbeitet in dieser Zeitphase hervorragend und ist zu besonderen Leistungen fähig. Nach einiger Zeit, manchmal erst nach ein paar Stunden lässt diese Mehrdurchblutung nach und führt dies auch zu einer Reduzierung der “dicken” Adern. Blutbahnen sind sehr elastisch und sind dazu in der Lage, die Mehrdurchblutung zu regulieren. Wer allerdings Blutdruckprobleme vermutet, bei denen die Geschmeidigkeit der Blutbahnen fehlerhaft sein kann oder Angst hat, dass ein bekannter oder nicht entdeckter Verschluss durch eine zu starke Belastung gelöst werden kann, der sollte mit seinem Arzt über mögliche Risiken und entsprechende Maßnahmen reden. Die meisten Berichte, die ich im Laufe der Jahre gelesen habe, zeugen allerdings von einem positiven Aspekt der Mehrdurchblutung durch Sport. In meinen 25 Jahren Trainingserfahrung habe ich selber auch noch keine einzige Ader platzen sehen, weil ein Athlet sie zu stark “aufgepumpt” hat. Eher habe ich zahlreiche Träume platzen sehen, weil 1. die Einstellung zum Training nicht gestimmt hat und/ oder 2. das Leben es nicht vorgesehen hat.

Dein Denkansatz ist allerdings gut und richtig: Vorsicht und der Mut zu Fragen verhindert ungeahnte mögliche Fehler und sorgt für viel mehr Freude am Sport anstatt durch Verletzungen oder Rückschläge immer wieder Enttäuschungen zu erleben. Viele Athleten halten z.B. bei den Übungen zu lange die Luft an oder trainieren ohne Plan. Es kann dann z.B. bei extremen Pressübungen zu kleinen Blutgerinseln im Auge kommen u.ä. . Fazit: Meiner Einschätzung nach liegen in einem unvernünftigen Training weitaus mehr Gefahren als in einem – entschuldigung – supergeilen Pump starker Muskeln.

Micha.

(c) mk

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