Adipositas – Krankheit oder zu viel des Guten?

Frage:

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff “Adipositas”? Stimmt es, dass er mit Fressattacken in Verbindung steht?

Fressattacken mit anschließendem Erbrechen wegen schlechtem Gewissen u.ä. wird m.W. eher als Bulimie bezeichnet. Hinter Adipositas verstecken sich vielmehr die Begriffe Fettleibigkeit bzw. Fettsucht in Verbindung mit bestimmten Verhaltensmerkmalen.

In den letzten Jahren sind Menschen mit starkem Fett-Übergewicht auch in Fitness-Centern zu beobachten. Durch verbesserte Geräte im Konditionsbereich und zum Teil auch geschulterem Personal sind die Sportstudios wichtige Partner im Kampf gegen überschüssige Pfunde. Wer unter der Krankheit Adipositas leidet, hat es gleich mit meist mehreren Ursachen zu tun. Zum Teil können genetische Gründe eine Rolle spielen, also ein (z.B. vererbter) langsamer Stoffwechsel, Probleme mit der Schilddrüse. Dicke Menschen leiden häufig unter ihrem Äußeren genauso wie Hardgainer, die dünn wie ein Gerippe sind. Neben dem Glauben, bezüglich der Ernährung doch alles richtig zu machen, kommen auch andere Merkmale hinzu. Häufig wird die Fettsucht auch mit einer ungünstigen Handlungsstrategie in Verbindung gebracht, die zur Lösung von Problemen oder Belastungen Anwendung findet. Das den meisten von uns bekannte Frustfressen (Pizza und Cola, Pommes und Ketchup, Chips und Schokolade, hm…) ist hier nicht mehr die Ausnahme, sondern zur Gewohnheit geworden (und sei es nach einer missglückten Diät als “es hat ja doch keinen Sinn-Handlung). Die Gedanken und Handlungen drehen sich häufiger als sonst um das Thema Essen und Gefühle, Diätfrust und bewegungsarme Lebensgewohnheiten. Somit ist auch die Grenze zwischen Gemütlichkeit, Faulheit und Krankheit nicht leicht zu ziehen.

Während die Wissenschaft darum bemüht ist, Fettgene zu finden und zu besiegen, trägt die moderne Gesellschaft sehr viel dazu bei, das Übergewicht voranzutreiben. Aktivität ist in vielen Bereichen heute weniger gefragt als Konsum. Passiv ist unproblematischer als aktiv. Kleine Wege werden mit dem Auto erledigt und das Maß dessen, was ich meinem Körper zumute, wird immer geringer. Starkes Übergewicht, das mit Hilfe von Diäten kaum mehr verändert werden kann, sollte sehr bewußt betrachtet werden. Es ist leider nicht nur ein Zeichen, dass es einem finanziell gut geht, sondern auch ein kritischer Zustand, der viele Krankheiten mit sich bringt. Neben Bluthochdruck, Herzsstörungen usw. laufen auch die schwer belasteten Gelenke bereits im frühen Alter dazu, kaputt zu gehen. Eine Bekannte von mir hat zerstörte Kniee, weil diese das Gewicht von weit über 100 Kilo nicht mehr tragen konnten. Jugendliche, deren Gewicht nicht kontrolliert begleitet wurde, weil Eltern hilflos sind oder das Problem aufgrund eigener Fettleibigkeit nicht wahrnehmne, leiden häufig ihr weiteres Leben lang unter Rückenproblemen.

Adipositas macht auf Dauer nicht glücklich. Es ist ein Zustand, der immer wieder zu Unzufriedenheit und Frust führt. Und der Teufelskreis schließt sich, in dem man vor lauter Enttäuschung über den Partner, die Freundin, die Prüfungsnote usw. eine der wenigen Befriedigungen über den Gaumen erlebt (jetzt mal ehrlich: wie lecker kann ein gutes Stück Pizza, eine große Portion Eis sein?). Der amerikanische Psychiater E. Berne, mit dessen Transaktionsanalyse ich mich über Jahre beschäftigte, stellte verschiedene Arten des Hungers auf. Den Hunger nach Liebe, nach berührt werden, den Hunger nach Anerkenung usw.. In diesem Bild bleibend wundert es nicht, dass viele Menschen irgendwie versuchen, diesen HUNGER zu stillen, und sei es letztendlich duch Alkohol oder fett/kohlenhydratreiche Nahrung. Womit denn sonst, wenn sie nicht mehr an sich selbst glauben mögen oder sie im sozialen Abseits stehen. Damit wird auch deutlich, dass Adipositas durch eine Diät allein nur schwer zu behandeln ist. Häufig ist es anzuraten, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen oder Hilfe zu suchen. Es gibt Kliniken, die die erste Zeit begleiten und mit den Gästen daran arbeiten, auch ihre verschütteten Bedürfnisse offenzulegen. Werden keine Wege gefunden, auf andere Weise “satt” zu werden (Lob, Anerkennung, Selbstwert, Beruf, Wichtig sein, gebraucht werden u.u.u.) wird der Mensch, um innerlich zu überleben, wieder darauf zurückgreifen, was ihm am Leben gehalten hat oder diesem wenigestens einen Inhalt gab: Zum Beispiel Essen, essen, essen… Neben Gesprächen und Beratungen, eventuell psychologischer Begleitung, muß natürlich auch die Ernährung neu überdacht werden. Eine gut und vernüftig durchgeführte Diät kann Wunder helfen, wenn die Frau oder der Mann erkennen, dass diese Wunder Zeit brauchen. Und zu dieser Zeit gehören Rückschläge einfach dazu.

Auch extremen Fällen kann geholfen werden, zum Beispiel durch ein Magenband, dass das Hineinstopfen von Nahrung nicht mehr zulässt. Meine Bekannte konnte dadurch nach Jahrzehnten viele, viele Kilogramm abnehmen. Ein gezieltes Körpertraining kann diese Bemühungen aus mehreren Gründen heraus unterstützen. Durch die Bewegung wird Energie verbrannt und wenn es sich dabei um die richtige Bewegung handelt auch so viel Energie, dass das Fett schwindet. Darüber hinaus kennen viele Fitness-Sportler/innen, aber die meisten Bodybuilder/innen auch die geistigen Gewinne eines guten Trainings. Es ist unglaublich, was all die Anstrengungen mit dir machen werden, wenn du erst einmal angefangen und durchgehalten hast. Adipositas ist in vielen Fällen keine Endstation. Wenn du entscheidest, dass es einen Ausweg daraus gibt, machst Du den Anfang. Und wirkt diese Herausforderung am Anfang noch viel zu groß, wirst du sie nach einigen Monaten nicht mehr missen wollen.

Das Internet ist auch hier eine echte Fundgrube an Informationen und Hilfen. Du musst sie nur annehmen. Gerne bringen wir im “Gym of Challenge” auch deine Story, auf die wir gespannt warten…

Micha.

(c) mk

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