Nach erfolgreicher Diät nehme ich durchs Training zu – Hilfe!

Frage:

Lieber Trainer, habe mal wieder ein Sportproblem…..*grrrr*. Ich bin weiblich und habe mit viel Entschlossenheit einige Kilo abgespeckt. Das alles ohne Sport! Und weil es so gut lief, bin ich nun wieder im Fitnessstudio am werkeln, mache etwas Mucki Aufbau und gleichzeitig anschließend so ca. 40 min Ausdauertraining. Obwohl ich an der Ernährung nichts geändert habe, lege ich auf einmal wieder 2 Kilo zu,…nach 2 Wochen Training! Das macht mich jetzt doch sehr nervös. Der Trainer meint etwas sorglos, ich solle mich nicht wiegen, aber das schaffe ich nicht, weil ich so neugierig bin was sich tut! Also, bin ich mit den Muckis zu schnell, soll ich erstmal mehr Fettverbrennung machen oder ist das Wasser was sich ansammelt, stellt sich mein Körper um?

Es ist schon wahnsinnig kompliziert, irgendwie gibt es tausend Meinungen, wie man jetzt optimal trainieren soll, habe gestern auch gegoogelt und viele Seiten gefunden, aber irgendwie beschäftigt man sich beim Muki Aufbau immer nur mit den Muskelmännern, das Frauenproblem wird nicht richtig beachtet, finde ich. Über Deinen Rat würde ich mich sehr freuen!
 

Trainertipp:

Dann müssen wir ganz schnell etwas für die Frauen tun! Da willst Du also abnehmen und nimmst zu. Schon paradox, gell?! Zunächst einmal ist es schon supercool, dass Du so viel abgespeckt hast. Und wohl gemerkt „ab ge speckt“! D.h., du hast nicht kurzfristig durch einen Saunabesuch Wasser verloren, sondern das Gewicht an den richtigen Stellen verloren. Gleichwohl bedeutet das nicht, dass der Körper gleichzeitig straffer und fester wird. Das liegt daran, dass das Abnehmen von Fett mittles Nahrungsumstellung oder Bewegungserhöhung die Muskeln kaum aktiviert. Muskeln sind mächtige Werkzeuge in der Körperformung, wenn nicht das beste Mittel überhaupt. Selbst Hungerhaken können krank aussehen, wenn sie keine sportliche Figur besitzen. Viele Frauen mit einem gewissen Übergewicht haben unter der Fettschicht eine gewisse Muskulatur, die nur nicht zur Geltung kommt. Wenn Du im Studio Muskelaufbau betreibst, werden diese Muskeln natürlich aktiviert und wie das Trainingsziel schon sagt „aufgebaut“. Wenn Du jetzt nicht wegen dem Training mehr isst, zum Beispiel durch Süßhunger-Attacken, sondern eine einigermaßen ordentliche Ernährung beibehältst, finden die Muskeln genügend Nährstoffe, um zu wachsen. Nun klingt „wachsen“ für Frauen mit einem Gewichtsproblem eher nach einer Horrormeldung. Wenn ein Muskel wächst, so verdickt er seine Muskelnfasern und speichert zusätzlich Nährstoffe und Wasser darin. Dieses Wachstum hält sich allerdings absolut in Grenzen, weil die Muskeln am Anfang schnell reagieren und dann immer weniger. D.h. Dein rascher Erfolg, der dich erschrickt, wird schnell nachlassen und das Gewicht wird sich einpendeln. Wer durch Muskelaufbau zunehmen will, der muss super hart trainieren und das schaffen die meisten nicht. Anfänger/innen glauben nur, sie hätten super Anlagen, weil sie am Anfang so gut aufbauen. Doch damit ist es wirklich bei den meisten rasch vorbei. Bei vielen dünnen Athleten, die zunehmen wollen, ist das dann der Moment, an dem sie enttäuscht sind. Was für Dich nun interessant sein kann sind verschiedene Tatsachen, die Dich beruhigen sollten:

Muskeln sehe ich im Gegensatz zu Fett als „lebende“ Masse, in der viel passiert. Während das Fett auf seine Verwertung wartet, sind Muskeln aktiv. Wahrscheinlich sind die meisten Fettzellen weiblich, die jahrzehntelang vergeblich darauf warten, dass sie sich für jemanden verzehren dürfen (Haha, kleiner Spaß, nicht ernst nehmen!). Soll heissen, bei übergewichtigen Menschen aus einer gewissen Anlage heraus ist es unglaublich schwer, das Fett abzubauen. Aber es geht! Muskeln dagegen haben Hunger und saugen und lutschen an den sie umgebenden Energiedepots (wahrscheinlich männlich, haha). Das führt zu dem erstaunlichen Phänomen, dass ein Muskelaufbau dazu führt, dass auch fernab der körperlichen Aktivität mehr Kalorien verbraucht werden als vorher. D.h., Dein Grundumsatz, das wahrscheinliche Problem für lebenslange Übergewicht ohne ausschweifendem Freßkult, ist zunächst einmal richtig niedrig. Vieles von dem, was Du isst, wird als Brennstoff nicht verwertet, also ab damit in die Vorratskammern Hüfte, Po, Oberschenkel, Bauch und mit etwas Glück im Unglück auch Busen. Wenn Du auf Diät gehst, senkt der Köper den Grundumsatz einfach weiter nach unten. So nimmt er vielleicht ein bisschen ab, aber wenn Du wieder normal isst, weil kaum eine Diät dauerhaft durchgehalten werden kann, lässt er den Grundumsatz einige Zeit unten, was bedeutet, dass die Speicherung von Nahrung oft noch schlimmer wird. Du kennst das sicher unter dem Slogan “Jojo-Effekt”. Einpendeln kann sich das Ganze vermutlich nur durch eine ruhige Ernährungsumstellung und durch Begleitung mit Aktivität, sprich Sport. Und wer sich diesem Weg stellt, der wird Geduld brauchen. Mit dem Kopf durch die Wand geht nichts. Ist der Sport zu lässig, weil es heisst, man verliert dann durch die Sauerstoffverwertung besser Fett, bewirkt er kaum etwas. Es ist schon wichtig, sich etwas mehr anzustrengen und den Puls auf bestimmter Höhe zu halten. Wenn Du nun erst mal ein paar Muskeln aufgebaut hast (die man im übrigen so schnell nicht sieht) ist das so, als würdest Du auch auf dem Sofa noch ein wenig auf Deinem Stepper laufen oder auf dem Ergometer strampeln, weil der Körper ja jetzt auch im Ruhezustand mehr verbrennt. Cool gell?!

Eine weitere Tatsache ist, dass das Gewebe von Muskulatur schwerer ist als Fettgewebe. Ich vermute, dass Muskeln einfach dichter sind *gg. Laienhaft stelle ich mir eine alte Waage mit Schalen vor. In der linken Schale liegt ein Plastikball, in der rechten eine etwas kleinere Wassermelone. Nun stelle Dir vor, die kleinere Wassermelone ist deutlich schwerer als der größere Ball. Der kleinere Gegenstand ist also schwerer. Wenn es möglich wäre, könntest Du mal ein Pfund Fett von der Hüfte in die eine Schale legen und vom Po mal ein Pfund Muskeln in die andere. Du würdest deutlich erkennen, dass die Muskeln im Volumen kleiner sind als das Fett. Im Klartext heisst das, dass Du beim muskelaufbauenden Sporteln tatsächlich eine Phase lang etwas zunehmen kannst/ wirst. Wenn Du einige Kilo Fett verlierst und 2 Kilo straffende und festigende Muskeln aufbaust, ist das im Grunde genommen eine fantastische Leistung. Ich vermute, dass Du im Moment dabei bist, Deinen Körper umzuwandeln und wenn Du es wagen würdest, vorher- nacher-Bilder zu machen, würdest Du die positive Veränderung sicherlich anerkennen. Da die Waage aber Deine Messlatte ist, hast Du natürlich ein Problem. Dein Leben lang hast Du ja abgespeichert, dass eine Gewichtszunahme etwas Schreckliches ist. Die 2 Kilo, die ja eigentlich ein Erfolg sind, erlebst Du als Misserfolg, weil es Dir Dein konditioniertes Gehirn so vermittelt. Schau, ich habe mangels Training über den Sommer so abgenommen und schaue deswegen nicht besser aus. Im Gegenteil. Trotz Mindergewicht habe ich ein Bäuchlein. Da trainiere ich lieber wieder, nehme am Bauch wieder ab und auf der Waage zu. Ja, da freue ich mich schon drauf. Also freue auch Du Dich über Deine Erfolge. Du musst halt dranbleiben und darfst Dich nicht entmutigen lassen. Wenn Du willst, kannst mir ja mal Deinen Trainingsplan aufschreiben, denn auch damit kann man viel steuern. Weiterhin viel Erfolg beim Sporteln und bei der Suche nach Antworten auf “Frauenfragen” wünscht Dir Dein Trainer.

Micha.

(c) mk

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